Einmal Dämonenfrass rot-weiß, bitte. Evil Dead (2013)
Ein Abend mit Erlebniskino im Wedding. Glücklicherweise ist die Gruppe Post-Pubertierender hinter uns irgendwann so vom Cola berauscht, dass die unablässige Kommentiererei eingestellt wird. Exzellent. Bruce Campbell, der in den ersten 3 Teilen die Hauptrolle Ash spielte, hat den Film mitproduziert (dito Sam Raimi). Der weitgehend unbekannte Regisseur Fede Alvarez führt Regie.
Evil Dead II war ein Remake des ersten Teils (mit den grandiosen Knetfigur-Effekten). Jetzt nochmal das Ganze aufrollen? Ash wiederbeleben? Ash ist zu sehr auf Bruce Campbell, das Unterfangen wäre zum Scheitern verurteilt. Aber an sich folgt nochmal die Geschichte, mit leichten Abwandlungen. Also: 5 Teenager fahren in eine einsame Hütte im Wald. Am Ende ist das Böse besiegt und die Sonne scheint wieder. Dazwischen liegt feinste Unterhaltung mit Scream Bloody Gore. Verbrennungen, Lebendbegräbnisse, Verstümmelungen von Mensch und Tier, Blutregen und ein in Menschenhaut gebundenes Buch. Ziel ist den seelenfressenden Dämon, den der depperte Hipster aus intellektueller Neugier erweckt, wieder in seine angestammte Astraldimension zurückzuschleudern.
Glücklicherweise liegt das sumerische Buch der Toten in der englischen Übersetzung mit vielen bunten Bildern vor und so gestaltet sich das Rufen des Bösen recht einfach. Ein paar Autocrashs und mit Hilfe eines Baumes bemächtigt sich dann das Böse der Junkie-Frau auf kaltem Entzug. Gequälte Seelen, und der Hinweis auf die tote Mutter in der Klapse darf auch nicht fehlen, ist ja eine beliebte Figur im Horrorgenre: Dämonen wohnen mit Vorliebe da, wo der Dachschaden eingeknastet haust (siehe etwa auch Grave Encounters). Es geht um Schuld, weil das Begräbnis der Mutter verpasst wurde und irgendwie wird hier die Familiengeschichte mit dem belasteten Verhältnis von Bruder und Schwester aufgearbeitet.
Mit allerhand Werkzeugen beginnt dann der Exorzismus an den eigenen Leibern: wir müssen das Böse aus uns Herausschneiden. Gore tendiert oft zum Humoresken. In diesem Fall nicht, den Comedy-Faktor von Army of Darkness sucht man hier vergeblich. Dafür gibt es durchaus Anleihen an "The Ring", statt Vergewaltigung durch Baum gibt es eine Art umgekehrte Geburt mit Haaren (ja, genau so). Das kann man durchaus als Akzentverschiebung zum Weiblichen sehen, denn der finale Bossfight findet dann auch zwischen Frauen statt. Das soll es dann aber auch an Spoiler-Alarm gewesen sein. Irgendwie muss man ja das Kunststück schaffen, den Film auf heute zu adaptieren und gleichzeitig die Vorgänger nicht zu schänden. Wobei das so Unmöglich ist, wie eine Punkband von 1979, die bis heute auf der Bühne steht. Damals mit dem Elan der Jugend angetrieben, heute alte Männer, die ihr Lebenswerk verteidigen. Man kann es eigentlich nur falsch machen, trotzdem gelingt es auf wundersame Art und Weise. So auch in diesem Fall. Die bahnbrechenden Effekt, etwa die Kamerafahrten durch den Wald), funktionierten damals (1987), weil sie neu und ungesehen waren. Die Geschichte lässt sich kaum zurückdrehen. Dafür wird heute solide auf echtes Kunstblut statt auf 3D-Animationen gesetzt.
Ich hadere an einigen Stellen, ob die deutsche Synchronfassung den Fremdscham-Bereich in meinem Cortex aktiviert. Deutsch eignet sich nicht für Fluchen im Stil "Du Schwanzlutscherin", es mag aber auch an Intonation liegen.
Gute Unterhaltung im oberen Bereich, die Popcorn-gestählten Körper wanken ins nächtliche Wedding.
http://www.imdb.com/title/tt1288558/
