unkultur

Fachmagazin für nekromantischen Materialismus.

Attack the Block

Mein persönlicher, verspäteter Nachtrag zum diesjährigen Fantasy Filmfest fand gestern abend statt. "Attack the Block" hatte ich im August nämlich verpasst. Ich dachte, ich wäre rechtzeitig genug da, aber der Hauptfilm der Closing Night war natürlich ausverkauft. Das hätte ich mir denken können und war halbwegs frustriert, da sich der Ankündigungstext extrem vielversprechend angehört hatte. Da sollte alles drin sein: London-Ghetto, britischer Gangsterfilm, Alien-Randale und Splatter. Eigentlich ein Garant für einen sehr guten Fil. Und vielleicht waren genau diese Erwartungen zu hoch – etwa ein zweites "Shaun of the Dead" zu erleben. Denn da kam der gestrige Film leider nicht ran.

Ich bin mir nicht sicher, ob die deutsche Synchronfassung dem Film den letzten Rest gegeben hatte, aber irgendwie war ich nicht überzeugt. Es war vor allem dieser Versuch alle Genres zusammenzurühren, der das Ergebnis trübte. So richtig wollten die Pointen nicht zünden und alles in allem bewegte sich der Humor auf Lethal Weapon-Niveau.

Und das trotz Nick Frost in einer Nebenrolle als übergewichtiger Grasgärtner.
Übler stieß mir allerdings die Ken Loach-artige Moralsoße auf, mit dem der Film übergoßen würde. Sozialkitsch vom Feinsten, wenn die zu Beginn ausgeraubte Krankenschwester zum Schluß die Gangsterkids in Schutz nimmt. Die im August stattgefundenen Riots in England strafen dieser Art von Pathos Lügen. Zumal diese Geschichte der Läuterung auch ganz schön öde war und den üblichen Klischees folgte: der Hauptprotagonist, der anfangs ganz böse war, erlebt eine Kartharsis und tritt als geläuterter Held aus den Ereignissen hervor.

Aber wie schon erwähnt – der Film war in dem Sinne nicht schlecht oder ein Totalreinfall. Das ganze Setting rund um den Plattenbau schon sehr gut und machte einiges her. Auch Pluspunkte gab es für die Aliens – hier hatte man sich Mühe gegeben und die Idee mit den leuchtenden Zähnen war sehr gut. Auch der Soundtrack machte einiges her. Hier wurde sich an aktuellen Grime und UK Urban-Produktionen orientiert, und diese direkt in die Handlung eingepasst, was bei den Verfolgungsjagden doch für jede Menge Spaß sorgte.

Alles in allem bleibt mein Fazit durchwachsen, vielleicht war ich gestern auch nicht in der Laune. Ich werde auf jeden Fall der englischen Fassung noch eine Chance geben. Sehenswert ist "Attack of the Block" allemal und läuft seit dem 22.9.2011 regulär in deutschen Kinos.

Trailer hier gucken: http://www.youtube.com/watch?v=cD0gm7dHKKc
Mehr lesen: http://en.wikipedia.org/wiki/Attack_the_Block
http://www.rottentomatoes.com/m/attack_the_block/

PS: Und ich noch so "einer der Kids könnte glatt als eine minifizierte Version vom Radio 1xtra DJ MistaJam durchgehen". Jetzt sagt er selbst in seiner Radiosendung, dass er darauf angesprochen wurde "Are you the guy from 'Attack the Block'". Verrückt!

23 September 2011 at 21:21 - Comments

Serienkurzkritik: Game of Thrones

Ey, voll die Idee: die Kelly Family zu Gast im Auenland. Die Trullas sehen bei diesem burlesquen Mittelalterklamauk aus wie Germany´s next Topmodell und sind dreimal so strunz. Dazu eine Prise keimfreie Erotik; die schäbischsten Studiokulissen seit Lawrence von Arabien und eine Handlung, die man gut und gern als totale Kriegeserklärung an jegliche Form von Intellekt auffassen darf. Edward Said hätte auch seinen Spaß an den lüsternden Orientalenhengsten, die frisch aus dem McFit-Monatsmagazin entsprungen zu sein schein. Wenn schon Sarah Connor als schnippische Königin mitmischt, wünscht man sich den T-1001, der diesem unheiligen Spuk ein Ende setzt. Kablamm! Das ganze Elend wird dazu noch wie ein gammeliger Pizzateig auf Serienlänge ausgewalzt. Gebt mir Wasser, das Season Finale ist noch unendliche 9 Folgen weit entfernt. Wer Herr der Ringe gehasst hat, wird Game of Thrones verabscheuen, aber hallo. Alles in allem: die 10 Folgen der ersten Staffel guckt man am besten in einem Zug runter, das Suchtpotential ist so hoch wie abends mal noch eine Tüte Tortillas aufzumachen.

19 September 2011 at 15:06 - Comments
vd
Haaahaaa - und ich dachte schon, mit mir stimmt was nicht. Selten so einen Rotz gesehen. Erklärung eines Kollegen kürzlich; ...
23 September 11 at 10:16

Wir müssen unreal bleiben

Meine Rezension des Banksy-Films "Exit through the Gift Shop" ist in der Dezember-Ausgabe des Conne Island Newsflyer erschienen: Hier entlang zu Keeping it unreal

2 December 2010 at 18:00 - Comments

Unkultur anderenorts

Im Conne Island Newsflyer September 2010 CEE IEH #179 ist meine Rezension zu Jens Benickes "Von Adorno zu Mao" erschienen. Hier entlang, bitte, zur Geschichtsstunde mit Maos Gespenstern.

17 September 2010 at 09:40 - Comments

Blühende Nischen

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Die Zeitschrift Testcard #19 mit dem Schwerpunkt "Blühende Nischen" erschien zwar schon im März, bei unkultur mahlen die Mühlen aber langsamer und ich bekam die Ausgabe erst vor kurzem in die Hand.

Sehr interessant fand ich die Ausführungen im Artikel von Martin Büsser in "Das Ende der Pop-Relevanz und das Wuchern der Nischen". Allerdings fragte ich mich, ob diese nicht eine Fortschreibung des "Mainstream der Minderheiten"-These der 1990er Jahre darstellen. Martin Büsser beschreibt den Wandel als Verlust eines musikalischen Kanons innerhalb der Rezeption von Musik sowie des Schwindens von Publikum als Masse: "Neue, auf Pop gegründet Jugendbewegungen, wollten sich einfach nicht mehr bilden." Nur wird man hier keine Antworten erhalten, wenn man nur darauf schaut, was fehlt und den Wandel versucht in den Kategorien von Jugendsubkulturen zu erfassen. Was ist denn dort, wo früher Bewegung gewesen wäre? Andererseits: interessiert mich das wirklich? (Der Beitrag von Jasper Nicolaisen über Bildproduktion im Internet geht in diese Richtung. Am Ende landet man bei allerhand obskuren und interessanten Phänomenen, mit Musik hat das alles nichts mehr zu tun.)

Martin Büsser beschreibt einen Zustand, den er durch Orientierungslosigkeit auf Seiten des Publikums charakterisiert sieht. Ich fragte mich an der Stelle, ob es nicht eher eine Unübersichtlichkeit handelt. Damit meine ich, dass das was Martin Büsser beschreibt, ein Problem für eine Kategoriesierung darstellt. Und diese stellt weniger das Publikum vor ein Problem, als die KritikerInnen, die versuchen Erklärungen und Begriffe für die beobachteten Phänomene zu finden. Und gerade die Soziologie ist eine Wissenschaft der Massenphänomene. Beschäftigt ein Phänomen nur mich und meine drei FreundInnen, lässt sich hier kaum ein soziologischer Forschungsaufwand rechtfertigen.
Dieses Schwinden von Masse wird ja auch an ganz anderer Stelle – der Forschung zu Instutionen wie Parteien etc. – beklagt. Nur besteht das Problem m.E. für die Forschung, die von Masse auf Relevanz ihres Gegenstandes schließt und damit daran unmittelbar die eigene Relevanz bindet. Das Publikum als Masse schwindet und das sieht Martin Büsser begründet im "Resultat einer immer kleinteiligeren Ausdifferenzierung, die mit Jugendkultur im herkömmlichen Sinne nichts zu tun hat." Nur stellt das an der Stelle ein Problem für die Forschenden dar, deren Begriffsinstrumentarium nicht mehr greift, um diese Welt zu beschreiben. Kurz gefasst: man wird das Scheitern der bisherigen Begriffe in Betracht ziehen müssen: Szene, Jugend(-subkultur), Avantgarde, Mainstream und Underground.

Wer ebenso ein Problem mit dem Schwinden der Masse hat, sind MusikjournalistInnen, deren Arbeit gleich doppelt prekär besetzt ist: Journalismus und dazu noch im Bereich Musikwirtschaft, die in einer Krise und grundlegenden Transformation steckt. Thesenhaft würde ich hier vermuten, dass der Bedarf für kritisches Schreiben über Popmusik schwindet. Die Zirkulationsgeschwindigkeit der Musikwaren hat sich m.E. deutlich erhöht. Martin Büsser bemängelt hier eine fehlende Relevanz, etwa von beliebiger Auswahl von Charts im Rolling Stones Magazine.
Aus der Perspektive elektronischer Musik wirkt diese Frage leicht befremdlich, denn hier ist klar, dass die Releases eh niemals mit dem Anspruch angetreten sind, für immer da zu sein, sondern an einem spezifischen Moment der Geschichte eine vergänglichem, kurzlebige Relevanz zu entfalten.

Ich bin mir an der Stelle nicht sicher, ob die Masse verschwunden ist. Sind wirklich alle zu Außenseitern geworden? Da könnte es sein, dass Martin Büsser in der Perspektive der Nischenmusik verharrt – die auch vor 20 Jahren Nische gewesen wäre. Insofern die Frage nur auf die Nische und konstatiere: "Da ist nur Nische." Lady Gaga verkauft tatsächlich noch Tonträger und auch Festivals wie "Rock am Ring" sind nach wie vor von Menschenmassen bevölkert. Wo geht also der Konsens verloren?

Vielleicht so formuliert: Die Position der Institutionen schwindet, die die Relevanz von Musik verschriftlicht. Nur ist das zunächst ein Problem für diese Instutionen, und zunächst nicht für die unmittelbare Produktion von Musik selbst. Denn dieses scheint ja auch ganz gut ohne die Figur des Musikkritikers/ der Musikkritikerin auszukommen. Es herrscht ein reges Treiben und eine ungeheure Menge an Musikwaren, aber das Interesse an einer theoretischen Klassifizierung scheint zu schwinden (an der Stelle: der/die DJ ordnet Musik nach persönlichen Kriterien auch an und nimmt in nicht-textlicher Form eine Kanonisierung vor).
Nur heisst das für das Schreiben über Musik: wo die Relevanz nicht mehr gegeben ist, sind weder Forschungsetats anzuzapfen, noch lassen sich Gelder von Werbeträgern oder Sponsoren auftreiben, die Herstellung der Texte und deren Publikationen finanzieren.

Damit teilt die Popkritik das Schicksal mit der Musik selbst. Es würde sich lohnen, hier weiter nachzuhaken: schwindet damit die Möglichkeit von Kritik? Denn schließlich ermöglicht erst das Heraustreten aus dem unmittelbaren Erleben. Die Transformation des Hörerlebnisses in Sprache ermöglicht eine kritische Reflexion des Gegenstandes. Eine gegenteilige Auffassung von Musikjournalismus ist selbiger als verlängerte Gute-Laune-Botschaft und Werbetext, worüber ich mir vor einigen Monaten am Beispiel der BBC Radio1 Moderatorin Mary Anne Hobbs Gedanken machte. Ob man hier kulturpessimistisch den Verlust kritischer Öffentlichkeit beklagen muss, oder Kritik sich künftig andersweitig artikulieren wird, bleibt offen. Vielleicht gab es eine zeitlang in Deutschland ein Zweckbündnis aus Musikkritik und Schallplattenindustrie, das irgendwann obsolet wurde. Ich frage mich, ob es diesen "Diskurs jenseits der sich selbst überlassenen Kleinstnischen" jemals gab. Jedenfalls jenseits von Diedrich Diederichsen und der Spex der späten 1980er Jahre. Vielleicht entfällt auch das Interesse auf Seite des Publikums an einem Lesen über Musik. Wo sowieso schon so viel Musik vorhanden ist, dass sich der "noch zu hören" Berg niemals abträgen lässt, lässt auch das Interesse am darüber Lesen nach. Wozu auch? Es ist doch sowieso zu viel von allem da.

Das Problem ist ein ökonomisches – und zwar für die ProduzentInnen von Waren. Mit dem Schwinden einer massenhaften Rezeption von Musik schwindet die Möglichkeit für diese, von ihren Produkten zu leben – sei es im unmittelbar mit der Produktion von Musik, sei es mittelbar mit dem Schreiben darüber. Als hätte sich D.I.Y. als Dystopie verwirklicht: Die kaptialistische Konkurrenz sowie der Zwang seinen Lebensunterhalt monetär zu bestreiten sind nicht außer Kraft gesetzt, dafür darf jede und jeder die Welt mit Waren überfluten, für die sich keine KäuferInnen mehr finden lassen.

Um zum Ende zu kommen und spekulativ in den Raum zu denken: an den Geräten lässt sich eine Veränderung der Entwicklung ablesen. Wahrscheinlich das Handy, dass als Multifunktionsgerät nahezu alles kann. Es lässt sich nutzen um damit zu telefonieren, Emails schreiben, von der Wasserwaagen- bis zur Navigationsapp ist alles darauf, es ist Spielkonsole, man kann damit Musik hören (+ Musik produzieren) oder Videofilme und Photos aufnehmen und ansehen. U.a. auf die Bildproduktion hat das ebenso gravierende Auswirkung wie auf die Wahrnehmung von Musik. Musik ist als digitales Format vorhanden und damit ebenso verfügbar wie andere digitale Daten. Musik konkurriert um Aufmerksamkeit mit Computerspielen, Videos etc. Die Wahrnehmung von Musik verändert sich, es kommt zur Synästhesie. Musikmagazine online funktionieren 2010 anders als gedruckte Hefte 1990. Die Vermischung aus Journalismus und Musikpromotion schreitet voran, wenn neben dem Artikel gleich ein Widget mit einem Soundfile zu finden ist (zufällig gewähltes Beispiel siehe http://www.urb.com/). Der Druck auf die ProduzentInnen steigt Freebies und Promomaterial in großen Mengen zu produzieren. Gleichzeitig ist Information überall verfügbar und es besteht die Möglichkeit – etwa via Blogkommentare – Texte von Seiten des Publikums aus direkt zu kommentieren.

Nur führt dies nicht zum Schlaraffenland der freien Güter, sondern der Datenstress des Bescheidwissen-Müssens. Wie Geert Lovink es formulierte: Freizeit ist Downloadzeit. Man wird sich Begriffe suchen müssen, um diesen Wandel zu fassen.

1 July 2010 at 21:20 - Comments

Veranstaltung zu Gentrifizierung am 17.6. in Hamburg

Gentrifizierung in Hamburg

Gentrifizierung in Hamburg

Am Donnerstag den 17.6.2010 findet in Hamburg eine Diskussionsveranstaltung zun Gentrifizierung statt. Dabei soll die Kritik an der Gentrifizierung ideologiekritisch beleuchtet werden"Wir wünschen uns eine differenzierte Debatte, in der herausgearbeitet wird, an welchen Stellen die Gentrifizierungskritik den Namen Kritik verdient hat und an welchen Stellen sie zur Ideologie verkommt."

Der vollständige Ankündigungstext dazu findet auf dem Blog der veranstaltenden Gruppe Negative Approach.

Los geht es um 19 Uhr in der Roten Flora.

12 June 2010 at 13:28 - Comments

Warum hier nichts steht

Ich würde ja gerne hier gelegentlich hier etwas schreiben, finde aber keine mitteilungsfähigen Inhalte mehr. Irgendwann wurde mir der Spagat zwischen meinen verschiedenen Lebensbereichen zu anstrengend. Die ständige Abwägung, welche Inhalte welchem Bereich zugeordnet werden könnten. Und öffentliches Artikulieren verlangt ständig diese Trennungsleistung.

Ich glaube noch nicht einmal, dass das Koordinatensystem sich aus den Achsen "privat" und "öffentlich" zusammensetzt, sondern sich an den pluralen Verbreitungskanälen festmacht: wer liest meine Nachrichten auf welchem Kanal? Früher bestand für mich die Trennung darin mein politisches Interesse und meine musik – na, sagen wir mal "Musikpromotion" – irgendwie zu trennen. Schon daran bin ich gnadenlos gescheitert, wie sich an dem Schlingerkurs dieses Blogs ablesen lässt.

So ganz passte das alles nicht und die Inhalte schoßen immer haarscharf an den potentiell interessierten Personen vorbei. Der Medientheoretiker Geert Lovink vermutet, dass Blogs Homogenität schaffen, indem sie ein bestimmtest Umfeld schaffen – sie werden von Leuten gelesen, die dasselbe denken. Kann ich das so bestätigen? Jein. Es gab hier und an anderer Stelle teils kontroverse Diskussionen, irgendwann war ich ihrer überdrüssig, da der Ablauf und die Reaktionen aller Beteiligten voraussehbar waren. Und ab da wurde es immer uninteressanter, denn ich lese oder unterhalte mich um etwas zu lernen, dass ich noch nicht wußte, und nicht um die immergleichen Inhalte in zig-facher Ausführung wiedergekäut zu bekommen. Genau das scheint aber für einige Bloggerinnen und Blogger der Hauptzweck ihrer Tätigkeit zu sein. Ich konnte das irgendwann nicht mehr Ernst nehmen, genausowenig wie diese pathetische Betroffenheit, das Ereifern über reale und vermeintliche Mißstände.

Zumal hier das Reflexionsniveau über das eigene Treiben in den meisten Fällen erschreckend niedrig liegt und immer tumb die Vorgaben aus dem etablierten Medienbetrieb abgeschrieben wurden – und dass dann für eine Eigenleistung gehalten wurde. Eine Zeitungsmeldung wird zitiert und sich über den Inhalt erregt, daran sähe man mal wieder, dass wahlweise Polizei / Nazis / Deutschland / Bundesregierung / Milchbauern / Atomlobby / … (eigenen Begriff nach Belieben hier einsetzen) ganz schlimm seien. Das mag zwar Betroffenheit artikulieren, aber warum sollte das jemand lesen wollen? Das Label "politisch" wird gerne vorgeschoben, wo doch nur die eigenen Befindlichkeiten vor Publikum ausgebreitet werden. Als Vergleich fällt mir nur das Starren auf einen Käfer ein, der auf dem Rücken liegt und hilflos mit den Beinchen strampelt.

Mir wurde das alles irgendwann zu öde. Insofern gab es hier kein "Umfeld"; meine Inhalte gingen immer weiter auseinander, dass ich irgendwann an Sinn und Zweck des Unterfangens zu zweifeln begann. Geert Lovink sieht im Bloggen einen Nihilismus verwirklicht: eine resignative Grundhaltung, da sich keine weiterführende Veränderung abzeichnet. Nur drückt sich die Bloggerin oder der Blogger diesen Nihilismus durch die Tätigkeit des Bloggens aus. Mich irgendwann nicht einmal mehr das. Und auch die tektonischen Platten meiner Interessen haben sich verschoben: Soll ich etwa über geekige Programmierthemen schreiben? Dazu fehlt mir jeglicher Ansatz, weder habe ich zum Schreiben darüber eine intrinsische Motivation noch sehe ich eine Zielgruppe dafür.

Das Leben ist angefüllt von interessanten Dingen, die wenigsten davon passen jedoch in Textform.

27 March 2010 at 09:57 - Comments

Broschüre – Kunst Spektakel Revolution

Kürzlich erschienen ist die Broschüre "Kunst Spektakel Revolution", die einige Texte zusammenfasst, die im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in Weimar letztes Jahr gehalten wurden. Die Broschüre umfasst Texte von Kerstin Stakemeier, Martin Büsser, Roger Behrens, Biene Baumeister, Hans-Christian Psaar und behandelt aus verschiedenen Perspektiven das nicht unproblematisch Verhältnis von künstlerischer Avantgarde und gesellschaftlicher Umwälzung. Die Texte lassen sich online lesen unter http://spektakel.blogsport.de/broschur/, die Bezugmöglichkeiten für die Druckversion sind auf der Seite ebenso aufgeführt.

Weiterführende Informationen zu der Veranstaltungsreihe – diese wird dieses Jahr mit neuen Vorträgen fortgesetzt – finden sich unter http://spektakel.blogsport.de/.

27 March 2010 at 08:59 - Comments

Produktempfehlungshilfehinweis

Wer auch immer sein MacBook selbst aufschrauben möchte und sich der fantastischen D.I.Y.-Anleitungen von http://www.ifixit.com/ bedient, bekommt bisweilen schon bei der Erhältlichkeit des Werkzeugs Probleme, da sich die Angaben auf us-amerikanische Hersteller beziehen. Ein Selbstversuch von einem unversierten Schraubendreher-Laien brachte jedenfalls das Ergebnis, dass sich Phillips #00 Screwdriver wunderbar ersetzen lassen mit diesem Kreuzschlitz-Schraubendreher, den es bei Conrad gibt: Wiha SCHRAUBENDREHER 00 X 40 PH-KREUZSCHLITZ. There´s no business like geek business…

19 January 2010 at 13:57 - Comments

Zusammenfassung “Eine Verschwörung gegen Amerika?”

Kurze Zusammenfassung der Veranstaltung Eine Verschwörung gegen Amerika? Bernd Volkert über den oft als „Anti-Bush“ verstandenen Barack Obama" vom 11.1.2010

Bernd Volkert begann mit einem längeren Zitat des emigrierten Politikwissenschaftler Hans Morgenthau, in welchem Morgenthau die Begeisterung beim Kennedy-Besuch in Deutschland 1963 als Fortführung des nationalsozialistischen Führerkults sah. Der Vergleich zwischen Obama und Kennedy dränge sich auf, so Volkert, aber Kennedy sei trotz seines Charismas in seinem Handeln Staatsmann gewesen, was Obama fehlen würde. Es folgte eine Liste mit Fehlschlägen und bisherigen Reden Obamas: der laxe Kurs gegenüber dem Iran, die Rede in der UNO-Vollversammlung, die Kairoer Rede, die Haltung gegenüber Rußland und damit verbunden die Idee einer atomwaffenfreier Welt. Und die Haltung zu Afghanistan, wo "die USA am liebsten Truppen auf Niveau des technischen Hilfswerks" schicken würden. Obamas Bilanz sei bislang desaströs. Das wurde anhand eines Zitats von Charles Krauthammer, einem Kolumnisten der Washington Post, dargelegt, nach dem die USA sich in einem freiwillig gewählten Niedergang befänden und die Wahl hätten die unipolare Welt aktiv auszugestalten oder anderen Mächten die Gestaltung der Welt zu überlassen. Im Folgenden ging Volkert kurz auf Robert Kagan ein, distanzierte sich aber von dessen Einschätzung, wonach die politisch Verantwortlichen in den USA gar nicht anders könnten als eine hegemoniale Rolle wahrzunehmen, und diagnostizierte stattdessen eine "Europäisierung der US-Politik". Nachdem auf der letzten Bahamas-Veranstaltung auf Kumpanei mit dem Publikum durch die Verhöhnung von Gender-Mainstreamng gesetzt wurde (auf homophobe Witze wird noch gewartet), wurde diesmal krachledern von Volkert über die "Gesprächstherapie" in der Politik geätzt. Es folgte eine lange Ausführung über die Geschichte verschiedener Präsidentschaftskandidaten, unter anderem hätte George McGovern mit "Come home, America" 1972 schon das Programm "Therapie und Reue" gezeigt. Ronald Reagan dagegen hätte nicht auf Angst gesetzt, sondern den Glauben an die USA als überlegenes Modell verkörpert.
Obama könne man maximal als "verträumt" charakterisieren. Wie Tom Cruise in Kubrick´s "Eyes wide shut" würde er sonambul durch die Welt taumeln und nirgends ankommen – dies wäre in etwa auch der Plot der ersten Autobiografie von Obama von 1995.
Er würde sich nicht festlegen, was der als liberal geltende Kolumnist Leon Wieseltier als "Einerseits-andererseits"-Methode beschrieben hätte. Obama würde erst die eine Seite, dann die andere anhören und versuchen es allen Recht zu machen. Deswegen sei es so schwer Obama zu charakterisieren, selbst der Vergleich zu Jimmy Carter sei ein Behelf, weil man anders nicht weiterkäme – Obama hätte keine Agenda und würde fallbezogen willkürlich entscheiden.
Im weiteren wurden einige Faux-Pas von Obama ausgebreitet, die George Bush, wären diese ihm unterlaufen, als Zeichen seiner Beschränktheit ausgelegt worden wären. Obama hätte die verbündeten Staaten Tschechien und Polen brüskiert durch die lakonische Absage der Raketenstationierung; den führenden General in Afghanistan habe er nur im Vorbeigehen 30 Minuten lang nach dem Olympia-Aufenthalt in Kopenhagen getroffen. Dies würde Obamas Borniertheit, seinen Narzissmus und seine Unverantwortlichkeit zeigen.
Dass Volkert den Text vom Blatt herunterlas, rächte sich, als von "nach 9 Monaten Amtszeit" die Rede war.
Nach dem eher analytischen Vortrag von Volkert folgte eine Polemik von Justus Wertmüller, die so effekthascherisch auf Reaktionen zielte, dass das Publikum ausstieg und ebendiese verweigerte. Obamas Rede in der Universität von Kairo sei ein "antizivilisatorisches, pro-islamisches Manifest" gewesen. Sowohl Wertmüller wie Volkert betonten nochmals die Idee eines interessegeleiteten Politikbegriffs, durch den die USA "bei allen Scheußlichkeiten" unter dem Strich Gutes bewirkt hätten.

13 January 2010 at 00:03 - Comments