Ich hatte mich nach der letzten Debatte noch weiter intensiv mit dem Thema Medienkritik beschäftigt, komme aber gerade nicht dazu das alles sinnvoll zusammenzufassen und zu bloggen. Deswegen unstrukturiert einige der Gedanken dazu, darf gerne als Anregung verstanden werden.
Schon bei Sokrates geht die Medienkritik los (Schrift schlecht, gesprochenes Wort gut); heute ist es fast unmöglich sich durch den Wust konkurrierender Ansätze zu kämpfen. Und noch schwieriger zu beantworten ist die Ausgangsfrage: was wäre denn ein emanzipatorische Medienkritik? Gerade in Zeiten, in denen das politische Koordinatensystem keine Verläßlichkeiten mehr kennt, ist die Frage danach nicht ohne weiteres zu beantworten. Die Polemik von Classless dazu möchte ich hier nochmal wiedergeben:
Fortgang der linken Kulturkritik: gegen Kino, für Theater; gegen Hollywood, für europäisches Kino; gegen Fernsehen, für Kino; gegen Privatfernsehen, für öffentlich-rechtliches; gegen Internet, für Bücher; gegen Fernsehen, fürs Internet; gegen kommerzialisiertes Internet, für Blogs; gegen Blogs, für Bücher usw. usf.
Für gegen was wie wo jetzt? Was will wer kritisieren und warum?
Eine der von mir gestellten Fragen bezog sich auf den Zusammenhang von Unterhaltung und Information; ich habe die Schnittmenge beider als "Infotainment" denuziert. Wie verhalten sich beide Rationalitäten zueinander? Wo fängt Infotainment an? Oder bedient man mit einer Kritik daran nicht genau den Herrschaftsdiskurs, der etwa ein "Unterschichtenfernsehen" ausmachen will? Medienkritik ist in Deutschland eben auch der unsägliche und (in den Medien) allpräsente Kriminologe Christian Pfeiffer, der Begriffe wie "Medienverwahrlosung" herausklopft, um die bürgerliche Gesellschaft vor der Barbarei zu retten.
Aufklärung heisst zunächst Selbstaufklärung, also das eigene Treiben kritisch zu begutachten. Was in Blogs passiert und warum das so ist, wäre hier zu fragen. Oft kommt es mir vor, als wäre den Beteiligten (inkl. mir) die Unterscheidungen eben nicht klar zwischen Unterhaltung, Polemik, Theorie, subjektiver Meinung und objektiver Berichterstattung. Blogs recyclen oft das Material der Mainstreammedien (um diesen altbekannten Dualismus mal aufzugreifen, in Teilen ist da ja etwas dran an einem Antagonismus), sind damit mit ihnen verwoben.
Kritiker wie Andrew Keen machen sich zum Gespött der Leute, wenn sie in Blogs (wieder eine reaktionäre Medienkritik) den Untergang der abendländischen Kultur sehen wollen. Das folgt dem alten Muster, ein Medium für Mißsstände verantwortlich zu machen: Ob Comics, Computerspiele, Heavy Metal, Videos, Pornos, Internet, Blogs - je nach Jahrzehnt wurde ein neues, verderbliches Medium (bzw. dessen Inhalte) entdeckt, das angeblich die Gesellschaft kaputtmacht. Gerade das Geplapper von Leuten wie Andrew Keen müßte in Deutschland ja auf fruchtbaren Boden fallen, wo hier sich etablierte Medien bis heute darüber besorgt zeigen, dass ihr Experten- und Elitestatus in Frage gestellt wird. Blogs werden hier nicht als Bereicherung oder Chance definiert, sondern als Bedrohung. Man muss sich aber leider neuen Trends in der Medienwelt beugen, deswegen macht man halt mit. Wobei Spiegel Online hier sicherlich Vorreiter ist, was die Nutzung digitaler Medien angeht (der Spiegel Verlag war auch der einzige deutsche Großverlag, die sich nach dem Dot-Com Crash 2001 nicht aus dem Feld zurückzog und hinterher eine Marktbeherrschende Stellung hatte - so wurde es jedenfalls in einem Beitrag auf DLF letztens berichtet).
Zufälligerweise wird auch gerade an anderer Stelle über Medienstrategien diskutiert. Steinzeitautonome in Berlin betrauern die Interim und sprechen darüber, dass sie eine Gegenöffentlichkeit herstellen wollen (gegen wen oder was eigentlich?). Dabei wollen sie doch nur Kuschelmedien für die Kuschelszene, die sich mit Schmodder einseift, weil es zu ihrem Lebensstil dazu gehört. Von Blogs haben sie schonmal gehört, vertrauen diesem neumodischen Schnickschnack aber nicht, es muss dann schon die Stammesversammlung sein, bei der man gemeinsam unvermittelt am Lagerfeuer sitzt. So geht Subkultur - nur mit Gesellschaftskritik hat das wenig zu tun. Man möchte ganz traditionell "freie Radios oder Stadtzeitungen" machen, die "von vielen Menschen wahrgenommen werden". Also BILD-Zeitung von links; Hegemonie durch Meinungsmacht und Leitkultur bzw. -medium, wo der Szeneklüngel bestimmt, was drin steht (um dazu zu gehören: Subkultur werden, ansonsten draußen bleiben).
Dagegen wirkt der Netzwerk-Charakter von Blogs sinnvoller. Die Stärke von Blogs liegt (Hypothese) in der Meinungsbildung, nicht der Information. Das utopische Element ist eine umfassende, basisdemokratische Vernetzung. Was für Andrew Keen eine Dystopie darstellt - (in der FAZ vom 10.11. wird er zitiert, dass sekündlich ein neues Blog entsteht und damit in 3 Jahren 500 Millionen Blogs mit nichtigem Inhalt existieren werden), kann umgekehrt als ein Prozess der Meinungsbildung gesehen werden. Blogger diskutieren untereinander; hören sich eher Gegenmeinungen an (zumindest im Vergleich zu homogen geschlossenen Szenen) und haben somit die besten Voraussetzungen dem demokratischen Ideal des "mündigen Bürgers" zu entsprechen. Ist das jetzt gut oder schlecht?
Gut jedenfalls ist, dass in Blogs und Messageboards die statische Trennung der Unterteilung in Schreibenden und Lesenden partiell aufgehoben wird, von der Walter Benjamin im Kunstwerk-Aufsatz schrieb. Er macht das am Beispiel von Leserbriefen in Zeitungen fest: Der Leser wird zum Schreibenden.
Dieser Gedanke wurde später im Begriff Prosumer verflachend weitergeführt. Eine materialistische Medienkritik, die sowohl Nachrichten als auch Unterhaltung im Fokus hat, müßte sich mit den Idealen des "mündigen Konsumenten/ Rezipienten" und "mündigen Bürgers" auseinandersetzen. Wie verhält sich das zu schaffende emanzipierte Subjekt zu beiden?
Dann aber doch noch Kritik: Die Trennung von Meinung und Berichterstattung wird auch nur zu oft in anderen Medien vernachlässigt. Gerade linke Presse verbreitet oft eine Kaffeesatzleserei, die an totale Debilmachung grenzt. Wenn statt Außenpolitikfeldanalysen von Ideologie gefaselt wird, wenn inkompetente Schreiberinnen und Schreiber komplexe Themen zu Klump schreiben. Aber warum sollten denn Printmedien bzw. etablierte Medien besser sein als Blogs? Sicher, die meisten Arbeitenden dort verstehen sich als Journalisten (Blogs werden oft von Hobbyschreiberinnen und -schreibern betrieben) und werden für ihre Arbeit bezahlt. Aber macht das den Content besser? Zurück zur Frage nach dem Infotainment. Welchen Mehrwert habe ich denn, wenn ich jeden Tag von Bombenanschlägen höre, deren Opferzahlen und Ereignisse mir kaum merken kann. Hier sehe ich noch eine Relevanz - "was in der Welt passiert." Nur passiert auch, dass Menschen entführt werden. Und darüber wird nur berichtet, wenn entsprechende Person einen deutschen Pass besitzt. Was interessiert mich, ob ein Deutscher im Irak entführt wurde? Warum wird nicht über die Opfer anderer Nationalitäten - z.B. Irakern selbst - berichtet? Selektive Berichterstattung beginnt spätestens da.
Die Idee einer Konferenz zu linken Blogs (Arbeitstitel: Kommunismus 2.0) schwirrte letzten Sommer durch den Raum, wurde aber wegen des Arbeitsaufwandes vertagt.
Weiterführendes:
- Der Begriff der "Relevanz" wird aus soziologischer Sicht sehr gut im Artikel Banal, trivial und redundant? Medienkritik der Blogszene und Geheimnisse der Weblog-Relevanz aufgerollt.
- Als podcast gibt es einen interessanten Vortrag von Hans-Dieter Kübler hier zu hören. Er beschreibt, welche Auswirkungen die Kritische Theorie auf die Medienpädagogik der 1970er Jahre in Deutschland hatte. Gewisse Texte und Lesarten von Adorno werden ja heute ganz gern unter den Teppich fallen gelassen. Jedenfalls gab es damals eine Auseinandersetzung mit Medienkritik in Staatsfernsehen und in Schulen.
- Zuletzt noch der Hinweis auf den Transcript Verlag. Einer der wenigen Verlage, der Bücher zu Cultural Studies in Deutschland publiziert.
- Einen recht launigen Artikel von Christoph Hesse gibt es zu dem Thema "Neue Medien" (benutzt diesen Begriff heute eigentlich noch jemand?) aus Sicht eines von der Kritischen Theorie inspirierten Kritikers. Launig deshalb, weil Medientheorie pauschalisierend vorgeworfen wird, sie sei keine Kritische Theorie, würde keine Ideologiekritik betreiben - und sei eben ganz anders als das eigene Wirken. Nachzulesen auf der Website der Rote Ruhr Uni: "Neue Medien - Alte Scheisse"
- Leerstelle: Englischsprachige Literatur. Hinweise zu Texten jenseits von affirmativen Studien à la John Fiske erwünscht.
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Kommentare / 15 Kommentare
endlich mal etwas interessantes | Scheckkarte Als Passion schrieb das hier dazu Nov 15 07 at 12:43 pm[...] Bei unkultur gibt es einen Beitrag über Medien- und Blogkritik, der einen Ausgangspunkt für eine vielleicht wirklich interessant werdende Diskussion versprechen könnte. Mal sehen, ob die sonst so aktiven Blogger mit theoretischem Hintergrund mal interessante Beiträge leisten können. [...]
saltzundessick schrieb das am Nov 14 07 at 6:56 pmrigaer-strasse-blogspot ist wirklich unglaublich lachhaft. man moege sich das vorstellen: da sitzt da einer, vermutlich im billigen icafe in der proskauer und stammelt sich holprige saetze ueber indymedia und die interim zurecht, unterschreibt das ganze mit gruppe xyz, noch einige parolen dazu, ein foto mit der wollende hassmaske und fertig ist die linksradikale gesellschaftskritik. so wird das nichts mit der revolution
scheckkartenpunk schrieb das am Nov 14 07 at 8:19 pmist die aufteilung öffentlichkeit und gegenöffentlichkeit bei modernen medien wie film, radio oder zeitung noch halbwegs sinnvoll, so führt sie bei allem was darüber hinausgeht ins absurdistan. gibt es bei modernen medien noch ein bestimmende position, was genau in den medien veröffentlicht wird/werden darf bzw. gezeigt wird (kino) so ist nach dem aufbruch der medienstruktur beispielsweise durch das internet nur noch eine überwachende position möglich. was veröffentlicht wird ist (zumindest im status quo) nicht mehr beeinflussbar sondern nur noch beobachtbar.
schon allein aus dieser position heraus ist es nicht nachvollziehbar eine auf ein “zurück” orientierte medienkritik zu praktizieren (ich denke genau das illustriert kulla - die zurückgewandtheit widerspricht sich selbst im nächsten kontext, weil das was davor vermeintlich schlecht war im nächsten fall auf einmal die bessere wahl darstellt). medientheorie und -kritik sind von sokrates bis mcluhan oft traditionell negativ, ablehnend und rückwärtsgerichtet. lustiger weise kann trotdem damit gearbeitet werden. der “untergang des abendlandes” kam immer wieder mit dem nächsten neuen medium. hat was christlich-mythologisches mit der immer wieder verschobenen apokalypse.
eine sinnvolle medienkritik sollte jedoch nicht reaktionär auf medien reagieren, sondern statt dessen des jeweilige medium selbst in seinen eigenschaften, funktionen und kopplungen untersuchen. in der untersuchung dessen stellen sich immer wieder subversive möglichkeiten heraus, wie brecht schon mit seiner radiotheorie erkannt hatte - ob diese dann genutzt werden, oder möglicherweise wieder verschwinden steht auf einem andern blatt.
um medientheorie überhaupt üben zu können sollte vor allem vorher der medienbegriff definiert werden. hier kann auf keinen fall von umgangssprachlichen verständnissen ausgegangen werden, da sich dieses extrem von jeglichen theoretischen abhandlungen darüber unterscheidet. von meinem standpunkt aus gibt es keine “mainstream medien” sondern nur “mainstream medieninhalte”. um diese inhalte kritisieren zu können, kann unter anderem auf informationsgehalt, ideologie, autorenschaft etc. eingegangen werden. die kritik mit dem anspruch der information in richtung infotainment (als negativ besetzte form von informationsmitteilung) kann ich nicht teilen. wenn ich lust habe ellenlange theoretische texte zu lesen werde ich dabei auch unterhalten. nicht jede information muss aber dergestalt aufbereitet sein. nicht jede information beinhaltet auch einen umfassenden absolutheitsanspruch - eine kritik daran entspringt wohl eher einer eigenen motivation, die dann auf anderes projeziert wird. infotainment ist nebenbei bemerkt nicht denunziatorisch sondern eine durchaus gängige bezeichnung.
deine hypothese bezüglich blogs und meinungsbildung teile ich. genau darin besteht auch der sinn und die chance von blogs. natürlich kann ein blog auch als erste quelle über ereignisse berichten, doch ist diese berichterstattung dann auch immer genauso wie jede andere berichterstattung selektivität und ideologischer einfärbung unterworfen. objektivität ist eine illusion, da sich medieninhalte nicht von selbst generieren. das mehr an blog ist aber die vielfältigkeit der meinungspublikation. eine unterscheidung “zwischen Unterhaltung, Polemik, Theorie, subjektiver Meinung und objektiver Berichterstattung” (objektive berichterstattung ist nach meiner meinung, wie schon erwähnt, sowieso eine unmöglichkeit) macht bei einer globalen untersuchung von blogs keinen sinn. in der einzelbetrachtung eines bestimmten blogs schon, um dessen inhalte und informationen einordnen und beurteilen zu können. leider scheitern schon daran viele, was an kommentaren oft ersichtlich ist, da sie wieder ausschliesslich die eigenmotivation als maßstab nehmen. nur mit dem anspruch des blogs bzw. des autors des blogs kann dessen inhalt bewertet werden. nur damit kann ist es für den betrachter möglich zu beurteilen und zu bewerten. ein blog ist immer subjektiv.
“die statische Trennung der Unterteilung in Schreibenden und Lesenden[...] von der Walter Benjamin im Kunstwerk-Aufsatz schrieb” kann ich unterdessen gerade nicht erkennen. sonst würde ich diesen beitrag nicht hier sondern nur auf meinem blog verfassen können. für nachfolgende ist dieser beitrag als lesende jedoch bereits bestandteil des geschriebenen.
medienkritik ist oft falsche kritik, weil sich kritiker nicht mit medien an sich und medientheorie befassen, sondern von falschen begriffen und vorstellungen ausgehen, um darin dann eigenen wünsche, vorstellungen und ansprüche zu projezieren.
die vorstellung von purer information ist ein theoretisches konstrukt und eine illusion. die möglichkeit der aufbereitung nicht nur von sogenannten “profis” in bezahlter arbeit sondern von jedem x-beliebigen autor auch in unbezahlter arbeit erhöht nur die anforderungen an den rezipienten. sie kann grundsätzlich nicht negativ sein.
unkultur schrieb das am Nov 15 07 at 10:35 amZu dem Benjamin-Zitat, dass ich etwas verkürzend wiedergegeben hatte: er macht dort die Tendenz einer Angleichung zwischen Lesenden und Schreibenden aus: “Damit ist die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum im Begriff, ihren grundsätzlichen Charakter zu verlieren.” Als Beispiel führt er Leserbriefe in Zeitungen an. Und bei Blogs wird das veröffentlichen noch einfacher. Richtig von dir erkannt, Blogs werden auch von individuellen Autorinnen und Autoren betrieben (alleine Presserecht bzw. Telemediengesetz dürften hier gewisse Restriktionen der freien Kommunikation ausüben - rechtlich muss wird immer jemand für veröffentlichte Inhalte haftbar gemacht). Aber im Vergleich zur Zeitschrift, bei der nur ausgesuchte Leserbriefe abgedruckt werden, ist im Blog die quantitative Menge der Lesermeinungen höher damit auch die individuelle Chance, dass mein Beitrag gehört wird da die Auswahltätigkeit eines Redakteurs wegfällt. Publiziert wird in der Regel erstmal alles, allenfalls das was extrem aus dem Rahmen fällt (Beleidigungen etc.) werden gelöscht. Damit ist der Prozess hier umgekehrt zur Zeitung (erst aussuchen, dann ausgewähltes publizieren). Insofern denke ich, dass hier die von Benjamin beschriebene Tendenz schon zu sehen ist.
scheckkartenpunk schrieb das am Nov 15 07 at 12:34 pmso wie sie jetzt dasteht ja
- in der verkürzung is allerdings das gegenteil rauszulesen, schleisslich wird die statische trennung nicht sichtbar, sondern eben aufgehoben
was bei blogs dazu kommt ist natürlich auch bei betreibern eine quasi vernetzte autorschaft. vieles sind fragmente, die woanders her stammen, oft einfach übernommen, viele texte verknüpfen einfach untereinander. ein autor an sich lässt sich dadurch nicht mehr wirklich ausmachen - er existiert eher als abstrakte idee - als gedachte person.
der im sinne des presserechts verantwortliche ist eher der große zensator, der aus den zu publizierenden inhalten informationen oder passagen rausstreicht oder eben veröffentlicht. als autor würde ich ihn so kaum bezeichnen, auch wenn es texte gibt, die in klassischer autorschaft entstanden sind.
unkultur schrieb das am Nov 16 07 at 11:30 amEinsam fliegt das Tumbleweed durch die Einöde. Wo auch immer die an dem Thema interessierten sind - hier jedenfalls nicht. Zu soziologischen Positionen zu dem Thema kann ich den ersten Link oben empfehlen zum Sozlog.
Nochmal Blog-Produktion Anmerkung: da fällt ja in einer Person meist alles zusammen: AutorIn von Beiträgen, RedakteurIn, manchmal Übersetzung, Publikation, Webspace-BetreiberIn (bei Print entspräche das Verlag + Druckerei). Mit Walter Benjamin (ich muss mal endlich den Brecht Radiotheorie-Aufsatz lesen) ließe sich das als Medienutopie auffassen - basisdemokratisch etc. Mit Adorno pessimistisch als Mediendystopie - wenn doch nur dieselben Inhalte wiedergekäut werden, die von den etablierten Verlagshäusern vorgegeben werden. Dialektisch zusammengefasst folgt daraus? Vielleicht muss man auch beides einfach als Chancen - Risiken so unvermittelt stehen lassen.
scheckkartenpunk schrieb das am Nov 16 07 at 12:31 pmdann les gleich noch Roland Barthes Aufsatz zum Tod des Autors
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scheckkartenpunk schrieb das am Nov 16 07 at 8:32 pmHab den Beitrag auf Sozlog mal gelesen und der ist mir leider zu banal - keine Medienanalyse nur kurzer Anriss von Schütz, genau bei den Fragen, die ich interessant fände wird auf einen Aufsatz verwiesen, der erst 2008 erscheint. Tolle Wurst.
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Das ist auf alle Fälle ein Nachteil an Blogs: Beiträge sind einfach viel zu verkürzt.
unkultur schrieb das am Nov 17 07 at 8:15 pmDafür hab ich mir “Das Rauschen der Sprache” von Barthes gestern geholt. Muss ich mich erstmal reinlesen, ist eher ein andere Herangehensweise als die Sachen, die ich ansonsten lese und in Semiotik bin ich eher unbewandert.
Hannes G. schrieb das am Nov 22 07 at 1:47 amLese-Hinweis: Ch. Türcke, Vom Kainszeichen zum genetischen Code. Kritische Theorie der Schrift
Darin gibt es ein Kapitel: Die moderne Krise der Schrift (Unterkapitel: Neue Medien, Hypertext, Feindbild Gutenberg, Freie Assoziation)Ich war damals in der Vorlesung: An ein wenig kann ich mich noch erinnern. Schrift hat nicht nur den aufklärerischen Effekt, Gedanken festzuhalten (Prüfung, Reflexion, Argumentation), sonderen auch eine Schwerkraft (Eigenlogik, Selektion. Linearität, etc.) zuungunsten des Denkens. Diese Schwerkraft würde durch Computer und Inernet größer.
Buch, Film, Internet etc. sind nicht nur leere Medien, sondern setzen Bedingungen (Schwerkraft), so Türckes Ausgangspunkt. Diese Bedingungen versucht er zu explizieren.
Die Fülle und Verbreitung von Wissen würde mit dem Internat zwar größer, aber die Aneignung des Wissens oberflächlicher aufgrund bestimmter Eigenschaften des Mediums Internet. Ich erinnere mich noch an den Satz: “Durch einen Link gelangt man zwar schnell zu neuem Wissen, weiß aber noch nicht um dessen Bedeutung.” So in etwa. Es ging da auch um das Verhältnis von Bedeutung und Struktur von Sprache und Wissen.
unkultur schrieb das am Nov 23 07 at 3:00 pmSorry, da sind Kommentare im Spamfilter hängengeblieben….
scheckkartenpunk schrieb das am Nov 25 07 at 6:57 pm@Hannes G: danke für den Tip. Werd ich mir mal besorgen. Allerdings liest sich dein kurzer Abriß so, als ob Türcke Medien die Eigenschaft zuschreibt durch ihre Schwerkraft Subjekte zu objektivieren und ihnen damit Handlungs- und Entscheidungsfreiheit zu entziehen. Solche Ansätze sind ja auch in der Theater- und Kunsttheorie zu finden und wahrscheinlich auch einer der größten Streitpunkte, die es innerhalb medientheoretischer Diskurse zu betrachten gilt.
nichtidentisches schrieb das am Dec 03 07 at 10:55 pmGuter Artikel, mein Interessensgebiet.
@scheckkartenpunk: “Das ist auf alle Fälle ein Nachteil an Blogs: Beiträge sind einfach viel zu verkürzt. ”
Nur gut, dass das bei Büchern oder verklemmt kurzen Artikeln in halbgaren Wissenschaftszikularen nicht so ist. Im Ernst:
Nur weil die Menschen Blogs noch nicht lesen können wie Bücher, heißt das nicht, dass sie schlechter sind als Bücher. Die Minima Moralia ist m.E. das klassische Beispiel eines Buches, das ebenso gut als Blog erschienen sein könnte. Wo es in Aphorismen, in Thesen, die sich dem Argument angleichen, in die kleinen Besonderheiten geht, die in schwerfälligen Magisterarbeiten entweder gekürzt oder in langatmigen Doktorarbeiten unnötig ausgebreitet werden, eignet sich Bloggen perfekt, um einem Gedanken die vom ihn gebärenden Subjekt zugemessene Bedeutung zukommen zu lassen. Wer vermutet, dass das ohne Widersprüche abliefe ist ein spaßiger Clown. Blog vorzuwerfen, sie seien inhaltslos, am Bahnhof aber an 300 Zeitschriften und Magazinen, von denen zwei Drittel titeln “die 4 todsicheren Tricks, eine Frau ins Bett zu bekommen” vorbeizulaufen ist lächerlich.
Blogs wollen nun mal gesucht sein. Sie biedern sich in Kommentaren an. Das wars dann aber auch. Sie wahren Autonomie des Autors und die des Lesers zu einem äußerst niedrigen Preis.
Und wer exklusiv blogt kann sich sicher sein, stets guten Stoff für ein Buch parat zu haben.
scheckkartenpunk schrieb das am Dec 05 07 at 9:04 pm“Nur gut, dass das bei Büchern oder verklemmt kurzen Artikeln in halbgaren Wissenschaftszikularen nicht so ist.”
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das war nur illustration meiner enttäuschung, bei dem kurzen soziologischen text auf einen erst zukünftig erscheinenden aufsatz verwiesen zu werden, der all das zu enthalten scheint, was für mich als soziologische perspektive auf neue medien interessant gewesen wäre. der blogartikel selbst gibt da leider nicht viel her. jetzt deswegen bis 2008 warten - super. da kann ich ja gleich anfangen die nötigen soziologischen texte durchzuarbeiten, um meine eigene betrachtung zu schreiben. dann brauch ich den aufsatz nicht mehr. andererseits ist soziologie nun mal nicht mein primärbereich.
so - das jetzt auch wieder überspitzt geschrieben.
unkultur schrieb das am Dec 05 07 at 9:48 pmIch guck gerade mal eine Koryphäe der deutschen Medienforschung an, Norbert Bolz… naja, CDU-Theorie at its best: http://www.podcampus.de/node/796
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